K. Russnaik: Entwicklung von Holzkonstruktionen im 19. Jahrhundert

Dissertationsprojekt von Kylie Russnaik zum Thema "Dachwerkskonstruktionen in der Schweiz: Die Entwicklung von weitgespannten Holzkonstruktionen im 19. Jahrhundert"

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Offene Dachwerke (K. Russnaik)

Dachwerkskonstruktionen in der Schweiz: Die Entwicklung von weitgespannten Holzkonstruktionen im 19. Jahrhundert

Dieses Forschungsprojekt untersucht die Entwicklung des weitgespannten Holzdachwerks in der Schweiz im 19. Jahrhundert. In der 1. Hälfte des 19. Jh. verlagerte sich die technologische Innovation allmählich vom Kirchendach zum Profanbau. Der betrachtete Zeitraum ist durch die Industrialisierung und Rationalisierung des Bauwesens geprägt. Der technologische Fortschritt brachte neue Bauaufgaben mit sich, die durch grosse, stützenfrei überspannte Räume und sichtbare Tragwerke gekennzeichnet sind, etwa Fabrikhallen, Perron-Hallen für die Eisenbahn oder Reithallen des Militärs. Zusätzlich führten u.a. die neuen architektonischen Formen des Klassizismus zu flacheren Dachneigungen. Als Tragwerke wurden anstelle der konventionellen Sparrendächer bevorzugt Pfettendach-Systeme verwendet, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen ingenieurmässige Systeme wie Polonceau- und Fachwerkbinder neu hinzu. Die Vielfalt der Konstruktionen, welche sich in relativ kurzer Zeit entwickelt hat, ist kennzeichnend für diese Epoche. Aus dieser Untersuchung lässt sich eine klare Entwicklungslinie ableiten. Wenngleich neue Materialien wie Eisen oder Eisenbeton vermehrt Anwendung fanden, blieb Holz in der Schweiz der bevorzugte Baustoff. Grund dafür mag dessen stetige Verfügbarkeit gewesen sein. Nicht zuletzt aufgrund der ausgebliebenen Kriegszerstörungen hat sich hier ein einzigartiger Korpus intakter Holztragwerke aus jener Zeit erhalten. Deren Bedeutung wurde bislang jedoch nicht erkannt, da sie sich grösstenteils in rein funktionalen Profanbauten befinden. Während die Entwicklung im 19. Jahrhundert aus architektonischer und kunsthistorischer Sicht bereits gründlich erforscht ist, fehlt es an umfassenden Studien zur Konstruktion von Schweizer Dachwerke. Dieses Dissertationsprojekt setzte sich deshalb zum Ziel, die Dachkonstruktionen erstmals umfassend zu dokumentieren und zu analysieren, um daraus die wichtigsten Entwicklungen in der Bautechnik und im Umgang mit dem Baumaterial Holz ableiten zu können. Der Schwerpunkt liegt in der Untersuchung von Bautechniken und Konstruktionssystemen, welche es den Architekten des 19. Jahrhunderts erlaubt haben, grosse Spannweiten zu bewältigen. Dabei wird der Übergang vom traditionellen Zimmermannshandwerk zum modernen Ingenieur-Holzbau aufgezeigt. Durch Archivrecherche und die Analyse historischer Publikationen wurden die Tragwerke in einen Kontext mit den historischen Gegebenheiten gesetzt und dabei Fragen des Wissenstransfers geklärt. Die Erkenntnisse werden zu einem besseren Verständnis der damaligen Bau- und Konstruktionspraxis beitragen und Kriterien für die Erhaltung liefern. Diese Forschung ist Teil des vom SNF Projekts "Evolution of the wide-span timber roof in northern and central Switzerland 1600-1850".

  • Russnaik, K. M.: Timber roof structures of 19th-century military riding halls in Switzerland. In: Mascarenhas-​​Mateus, J., et. al. (Hrsg.): History of Construction Cultures: Proceedings of the 7th International Congress on Construction History, 2021, Lisbon, Portugal. London: CRC Press, 2021, Vol. I, 238–246. (Research Collection)
  • Russnaik, K.: Timber Roof Structures of 19th-century Casinos in Switzerland. Timber and Construction: The Proceedings of the Ninth Conference of the Construction History. Proceedings of the 7th International Congress on Construction History (7ICCH). Online, July 12-16, 2021.

Kontakt

Kylie Russnaik
Dozentin am Departement Architektur
  • HIT H 23.4
  • +41 44 633 63 16

Bauforschung u.Konstruktionsgesch.
Wolfgang-Pauli-Str. 27
8093 Zürich
Schweiz

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